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Sadrach Nirere kämpft in Uganda gegen Plastikmüll und Klimakrise

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von Robert B. Fishman

Aufgeben ist für Sadrach Nirere keine Option. Er lacht gerne und bleibt optimistisch im Kampf gegen Klimakrise und Plastikmüll. In seiner Heimat Uganda hat der heute 26-jährige als Student den ugandischen Ableger von Fridays for Future und die Bewegung End Plastic Pollution (Beendet die Plastik-Vermüllung) gegründet. Seit seinem Bachelor in Betriebswirtschaft 2020 versteht er sich als „hauptberuflicher Aktivist“. Da habe er keine Zeit für eine feste Arbeit, sagt er lachend. Er lebt von gelegentlichen Aufträgen für Social-Media Kampagnen und anderen Online-Jobs. „Damit komme ich aus.“ Mehr als seine eigene Situation beschäftigen ihn die Unmengen an Plastikmüll in Ugandas Flüssen und Seen.

Der großgewachsene, freundliche junge Mann hatte das in Uganda seltene Glück, dass ihn seine Eltern Anfang der 2000er Jahre auf eine Oberschule in die Hauptstadt Kampala schicken konnten. Viele können das Schulgeld von rund mehr als 800 Euro im Jahr für ihre Kinder nicht bezahlen. „Die meisten leben bei uns von weniger als einem Euro am Tag“, erzählt Sadrach. „Viele Kinder brechen die Schule ab, weil sie Geld verdienen müssen“. 

„Ich habe das Leben dort genossen, die große Stadt, die vielen Möglichkeiten“, erinnert er sich. Schnell seinen ihm aber auch die Kehrseiten aufgefallen. Plastikmüll, der die Kanalisation verstopft und im Viktoriasee treibt.

Als Student an der Uni suchte er sich Mitstreiter:innen und gründete die Initiative „End Plastic Pollution“ und Fridays for Future Uganda, die wie ihre Schwesterorganisationen in anderen Ländern für mehr Klimaschutz kämpft.

„Die Klimakrise trifft uns direkter als die Menschen in Europa“

„Die Klimakrise betrifft uns hier viel direkter als die Menschen in Europa“, sagt Sadrach Nirere. Als Kind habe er auf dem Bauernhof seiner Eltern direkt erlebt, wie sich das Wetter auf die Ernte auswirkt. Von den Erträgen hing es ab, ob er, seine Eltern und seine Schwester genug zu essen hatten. Nach Missernten mussten seine Eltern die Landwirtschaft aufgeben. Früher gab es in Uganda regelmäßige Regen- und Trockenzeiten. Heute sei es mal zu trocken, dann setze wieder Starkregen das Land unter Wasser. Überschwemmungen zerstören die Feldfrüchte. Die Wassermassen schwemmen den Boden weg. Während der Dürre wehe der Wind die wertvolle Ackerkrume davon. Erdrutschen und anderen in der Klimakrise häufigere Naturkatastrophen träfen vor allem die Armen. Manche Familien verlören durch Erdrutsche ihr zu Hause und ihren gesamten Besitz.

„Volatile“ Menschenrechte

Viele fühlten sich machtlos und resignierten. Doch Sadrach Nirere ist sich sicher, dass die Umweltbewegung „immer mehr Menschen in Uganda“ berühre. „Über Initiativen in 50 Schulen und Hochschulen erreichen wir rund eine halbe Million Menschen.“ Noch lasse sie die Regierung weitgehend gewähren. „Volatil“ nennt der junge Mann die Menschenrechtslage in Uganda: Man wisse nie, was passiere, wenn man zum Beispiel eine Demonstration organisiert. Nach dem Klimastreik im September 2020 habe die Polizei viele Aktivist:inn:en verhaftet, verhört und ihre Plakate beschlagnahmt. „Die meisten waren unter 18“, sagt Nirere. Die Polizisten hätten gefragt, warum sie bei den Protesten mitmachten und wer die Proteste finanziere. Dann hätte man sie wieder zu ihren Eltern gebracht.  Im Gefängnis sitze derzeit niemand von End Plastic Pollution oder Fridays for Future.

„Wir wenden uns ausdrücklich nicht gegen die Regierung“, ergänzt Sadrach Nirere. Die Proteste richteten sich vor allem gegen Unternehmen wie Coca-Cola, die mit ihrem Plastik-Verpackungsmüll die Umwelt verschmutzen. Diese drohten dafür mit extrem teuren Klagen. Passiert sei dies aber bisher nicht. 

Plastikflut

Der Plastikflut entkomme in Uganda kaum jemand. „Vor allem die einfachen Leute können nur an den Straßenkiosken einkaufen. Dort bekomme man alles nur in Plastik: Becher, Teller, Getränke, Zahnbürsten.“ Statt eines organisierten Recyclingsystems gibt es sogenannte Waste Picker. Das sind bettelarme Menschen, die auf Mülldeponien, auf der Straße oder in der Landschaft Müll einsammeln, den sie an Zwischenhändler verkaufen. „Die bekommen für viele Kilo Plastik vielleicht 1000 Shilling“, schätzt Nirere. Das sind umgerechnet 20 Cent. Das Problem der Plastikvermüllung wird so nicht gelöst.

„Wir wenden uns an die Verursacher“, sagt Sadrach Nirere, „die Hersteller“- und an die Menschen im Land. „Wir sind doch alle Menschen, auch die in der Regierung und die Verantwortlichen in den Unternehmen. Wir müssen zusammenarbeiten, wenn wir verhindern wollen, dass die Menschen ihre eigenen Lebensgrundlagen zerstören.“

Info:

#EndPlasticPollution

Demanding corporate action / responsibility to #EndPlasticPollution

unterstützenauf Gofundme: https://www.gofundme.com/f/water-for-all-and-endplasticpollution

Fridays for Future weltweit: https://fridaysforfuture.org/

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Geschrieben von Robert B. Fishman

freier Autor, Journalist, Reporter (Radio und Printmedien), Fotograf, Workshop-Trainer, Moderator und Reiseleiter

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