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Systemsprenger – ein aufbrausendes Mädchen

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Als das Licht im Kino wieder aufleuchtet, herrscht erstmal eine bedrückende Stille im Saal. Das war ein ganz schöner Kontrast zu dem lauten Film, der einen mit seinem Gebrülle und Gehaue überrollte.

Benni, ein neunjähriges Mädchen gespielt von Helena Zenger, hat weißblonde Haare, eisblaue Augen und blaue Flecken am Körper verteilt. Wenn man sich das Mädchen während sie wiedermal auf der Pritsche beim Arzt liegt so anschaut, denkt man sich zuerst: Sie sieht doch aus wie ein Engel. Doch bald merkt der Zuschauer, dass das aufbrausende Mädchen voller Wut steckt, als sie beispielsweise mit ihrem Bobbycar das Sicherheitsglas der Schule beinahe zerschlägt, oder sie sich wie ein wild gewordenes Tier auf ein anderes Kind von dem sie sich bedroht fühlt stürzt, bis es im Krankenhaus landet. Wenn Benni ausrastet, knallt es mit einer heißen Pink Farbe auf der Leinwand und man sieht wirre Ausschnitte aus Erinnerungen und Träumen des Mädchens, die künstlerisch dargestellt werden.

Sie ist ein Systemsprenger – ein Kind, das nicht in das System passt und bei dem die Hilfemaßnahmen nicht funktionieren, wie sie sollten. Weder das Jugendamt, etliche Wohnheime, professionelle Betreuer, noch die eigene Mutter kommen mit dem oft aggressiven Mädchen klar. Die Einzige Lösung zum Problem scheint jedoch nur die Liebe und Zuverlässigkeit ihrer Mutter zu sein – diese bekommt sie jedoch nicht.

Denn auch Benni leidet: physisch, wenn sie sich vor Wut den eigenen Kopf so lange an die Autofensterscheibe haut, bis es blutet und ihr Betreuer und einzige Bezugsperson, Micha, sie aufhält. Aber auch psychisch leidet sie, wenn sie wiedermal enttäuscht wird und von einer Person zur nächsten gereicht werden muss. Ihr lautes Gebrüll ist ganz klar ein Schrei nach Hilfe, nach ihrer überforderten Mutter, die sie nicht zu sich Nachhause und ihren zwei weiteren Kindern nehmen kann.

Nora Fingscheidt, die Regisseurin, möchte mit ihrem preisgekröntem Film weder die Einrichtungen und ihre bemühten Betreuer, noch die verzweifelte Mutter und erst recht nicht das oft aggressive Mädchen kritisieren – stattdessen wünscht sie sich, so erzählt Fingscheidt, dass mehr Aufmerksamkeit auf das System und vor allem auf Systemsprenger gerichtet wird.

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