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Pro & Kontra Debatte: Burnout als Krankheitskonzept im ICD-11

Burnout ist mittlerweile ein geläufiger Begriff, vor allem in der Arbeitswelt. Hier geht es um eine Sonderform der Depression, die einen Überlastungs-/Erschöpfungszustand beschreibt, bei der die Betroffenen eine Imbalanz zwischen der Person und den beruflichen Möglichkeiten spüren. Das seit 1974 im sozial wissenschaftlichen Bereich bekannte Krankheitskonzept erreichte eine Häufigkeit von 20% in 2011. Übersetzt heisst Burnout „ausbrennen“, ähnlich wie die Symptomatik der Betroffenen.

Burnout Risiko

  • Abwechslungsreicher Beruf mit viel Verantwortung
  • Arbeitsbezogener Stress
  • Perfektionismus/Idealismus/mangelnde Selbstreflexion und übertriebene Identifikation mit dem Beruf
  • Unzureichende Belohnung (materiell und emotional) des emotionalen Engagements über längere Zeit (beispielsweise auch bei der Pflege von Angehörigen)

Es wurde lange diskutiert, ob Burnout in den ICD-11 übertragen werden soll. Ab Januar 2022, wenn die ICD-11 erscheint, wird Burnout als „Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet werden kann“ definiert. Trotzdem gibt es einige Punkte, die immer noch für Diskussion sorgen. Die Autoren, Dr. med. Axel Schüler-Schneider und Priv.-Doz. Dr. Barbara Schneider besprechen die pro und kontra Argumente, das Burnout als Krankheitskonzept im ICD-11 aufzunehmen. 

Pro:

  • Unbehandelt und nicht diagnostiziert mündet das Burnout oft in eine Depression ein. 
  • Zunahme an arbeitsbezogenem Stress und Häufigkeit von Burnout-Syndrom und Depression
  • Durch Therapieformen wie die Kurzzeit-Psychoanalyse können Betroffene von der Arbeit entlastet werden und sind nach kurzer Zeit (vor allem jüngere Menschen) wieder arbeitsfähig 
  • Durch Bewegung und Sport (min. 3-mal 30 min pro Woche), Entspannung und in manchen Fällen medikamentöse antidepressive Therapie kann der Gedanke an die eigene Gesundheit gefördert werden. 

Kontra: 

  • Als Herbert Freudenberger den Begriff erstmals publizierte, war das Burnout-Phänomen noch nicht das Ergebnis von wissenschaftlichen Untersuchungen 
  • Gefahr von Stigmatisierung: jeder fühlt sich mal „ausgebrannt“ 
  • Unzureichenende „Operationalisierung“/Definition des Krankheitsbildes
  • Subjektives Krankheitsmodell dessen Symptomatik schwer zu erfassen ist – mangelnde Reliabilität

Symptomatik laut ICD-11 im Jahre 2022

• ein Gefühl von Erschöpfung

•eine zunehmende geistige Distanz oder negative Haltung zum eigenen Job

•ein verringertes Leistungsvermögen im Beruf.

Das bis heute häufig diskutierte Problem, dass der Begriff des Burnout-Syndroms durch die Popularisierung verwässerte, indem er für fast 130 Symptome stand, ist im neuen ICD-11 nicht mehr ein Konflikt. Grund dafür ist, dass Burnout nicht mehr für Erschöpfungszustände im Beruf und im privaten Leben, sondern ausschliesslich als Krankheitsbild durch Konflikte am Arbeitsplatz steht. Trotzdem gibt es immer noch Kritiker, die diese Definition als unzureichend, vor allem in der Praxis sehen.  

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